00:00:00: Damals, Geschichte und Geschichten aus dem Landkreis Böblingen.
00:00:05: Längst vergangene Zeiten spannend und lebendig erzählt.
00:00:09: Experten im Gespräch mit Hansjörg Jung und Hansjorgsurm von der Sinnelfingerzeitung Böbinger Zeitung.
00:00:17: Hallo Anzürich!
00:00:20: Was haben wir denn heute für ein Thema in unserem Podcast?
00:00:23: Heute ist Dr.
00:00:24: Hammer zu Gast und es geht um Glocken Denn der Doktor Harmer ist ausgebildeter Glockensachverständiger und wissenschaftlicher Leiter des Glockenmuseums Stiebskirche Herrenberg.
00:00:40: Das ist auch eine Premiere, dass wir den Podcast einleuten?
00:00:44: Ja!
00:00:45: Immer mal wieder!
00:00:47: Herr Doktor Hammer, einen wunderschönen guten Tag.
00:00:50: Schön, dass Sie da sind.
00:00:52: Ich würde gerne unser Gespräch einleiten... Weil heute geht es um Glocken und Glockenscheinen allgegenwürdig zu sein.
00:01:06: Wir hören sehr aus den Kirchturmen, im übertragenen Sinn zumindest in dem sprachlichen Gebrauch sind sie an Haustüren da.
00:01:13: Es gibt Alarmglocken, es gibt Todenglocken , es gibt Hochzeit-Glocken .
00:01:18: Es gibt Kuglocken!
00:01:19: Es gibt Schiffsglocke und viele mehr.
00:01:23: Wann hatten das eigentlich ganz begonnen mit den Glockern?
00:01:28: Begonnen hat es eigentlich wo ganz anders als in Europa, nämlich in Ostasien und China.
00:01:33: Da lassen sich Vorgängerglocken bis ins dritte Jahrtausend vor Christus nachweisen.
00:01:42: Der Brosegust an China hat beim ersten Jahrtausend vor Christus angefangen.
00:01:47: Und diese Glocken sind dann über Südasien, in den vorderen Orient gekommen und etwa ab dem siebten Jahrhundert vor Christos waren sie dann also auch im Mittelmeerraum heimisch.
00:02:00: Sie waren eigentlich ursprünglich im Mittelmerraum und damit auch in Europa heidnische Instrumente.
00:02:06: Also man hat sich zum Beispiel die Römer zur Eröffnung von Märkten benutzt und im christlichen Bereich wurden sie eigentlich erst heimisch, als dann das Christentum zur Staatsreligion Ende des vierten nachchristlichen Jahrhunderts geworden waren.
00:02:24: Da brauchte man dann ein Instrument was möglichst weit klingend gewesen ist und da hat sich die bisher verpönte gelbende Glocke auch im Christentum eben durchgesetzt.
00:02:39: Zunächst mal bei den Klöstern und dann eine Mählichkeit in anderen Bereichen.
00:02:44: Sie
00:02:44: sagten, ab wann war die Glockey mehr als ein Signalgeber?
00:02:51: Beispielsweise um die Mönche zusammenzurufen, sondern ab wann konnte man denn Musik damit machen also mit gezielten Tönen arbeiten?
00:03:03: Also in China war das im Tat schon relativ früh der Fall, nämlich in dem Moment wo dann die Glocken aus Brose gegossen worden sind.
00:03:11: Da gibt es auch heute noch in manchen Museen Glockendiegenau aufeinander abgestimmt sind.
00:03:16: Das heißt da hat man schon also Musik gemacht.
00:03:20: Im Mittelalter werden dann so um des Jahrtausende herum kleine Glöckchen aufeinander abgestimmt.
00:03:26: Da gab's das damals eben auch schon.
00:03:29: aber so die große Abstimmungssache bei Kirchenglocken Das setzt er eigentlich dann erst, kann man sagen im späten Mittelalter ein.
00:03:38: Also insbesondere ab dem dreizehnten Jahrhundert lässt sich dann also nachweisen dass Glocken aufeinander abgestimmt worden sind auch wenn sie damals hauptsächlich als Solo-Instrumente verwendet Wurden.
00:03:50: Denn zu jener Zeit war es noch ein bisschen anders als heute, jede Glocke hatte ihren eigenen Klang aufbauen und dadurch klang sie auch ein bisschen anderes.
00:03:59: also stellen Sie sich vor wir haben den Ton A wenn die Oboe den Ton a spielt oder eine Flöte den Tona spielt oder die Geige den TonA spielt oder ein Klavier oder die Eugel jedes Mal erkennt man sofort ja das ist zwar die Tonhöhe aber sie klingt anders.
00:04:15: so ein bisschen so ähnlich war das also auch bei den damaligen Glocken der Fall weil die Innenhörmende von Glocke zu Glocken also verschieden war.
00:04:23: Wie hat man dann früher, bevor man verschiedene Tonarten gießen konnte?
00:04:31: Wie hat man denn da das Signal unterschieden?
00:04:35: Es gab ja die Glocke, um die Gläubigen zum Beispiel in die Kirche zum Gottesdienst zu rufen.
00:04:39: Aber es gab natürlich auch die Glocke, die bei einem Feueralarmen Kund getan oder die Arbeiter vom Feld zur Pause geholt haben oder zum Feierabend.
00:04:48: Wir haben das die Menschen unterschieden.
00:04:50: Waren das verschiedene Klangsignale oder gab's da wirklich unterschiedliche Glocken?
00:04:56: also beides eigentlich oder vielleicht sogar noch mehrerelei.
00:04:59: Diese Botschaftsfunktion, die Sie jetzt gerade ansprechen war einerseits durch den unterschiedlichen Klang feststellbar das man hat zum Beispiel eben gehört hat.
00:05:08: es ist jetzt irgendwo die große Promerin dann große Festtagsglocke oder vielleicht die Schreierin, dann hat sie irgendwie sehr obertölich geglungen.
00:05:21: Aber es gab noch eine weitere Möglichkeit, nämlich die Art der Glockenerregung.
00:05:27: Man kann ja Glocken anschlagen und man kann Wild-Anschlagen.
00:05:33: Man kann sie Bayern, das heißt den Klöppel von innen an die Glocke anschlagen der sogar rhythmisch.
00:05:38: man kann sich natürlich auch läuten und zum Beispiel bei ihrer Sturmglocke war es dann halt eben so dass man die Gloge nicht normal geläutet hat also schwingend bis da glöbbel angeschlagen ist sondern mit dem klöppl wild an die glocke eingeschlagen hat.
00:05:51: das ist natürlich eine vollkommen andere Art der Erregung wie wenn die Glocken Sachte hin und her schwingt und in gleichmäßigem Metrum links-und rechts anschlägt.
00:06:03: Also das war eine weitere Möglichkeit.
00:06:05: oder zum Beispiel auch der Uhrenschlag, also wer gut hinhört selbst heute noch kann den Uhrenschlag ohne weiteres Unterscheiden vom Glockenläuten weil der Uhrenschlag der ist einfach statisch da gibt es keinen Doppler Effekt, da gibt's keine Klanginterferenzen Das geht an halt BANG
00:06:23: BANG
00:06:24: während es Leuten wären.
00:06:28: Also da schwebt es und schon das ist ein Unterscheidungsmerkmal.
00:06:35: Klucken waren ja nicht nur Signalgeber, sie hatten auch immer ein bisschen was vielleicht etwas Magisches oder auf jeden Fall auch Symbolhaftes.
00:06:47: also ich denke an die Freiheitsklucke In der Magie als Gewitterbannerin gibt es derlei Mehrgeschichten.
00:06:58: Und warum wurden solche Sachen den Glocken zugeschrieben?
00:07:03: Das ist nicht ganz klar, da muss jetzt eher eine Vermutung äußern.
00:07:08: Tatsache war ja das früher im katholischen Bereich die Glockens auch getauft worden sind und also Glockendweihe war wie eine Art Glockentaufe
00:07:17: d.h.,
00:07:17: ein individueller Aspekt Und insofern hat man dann natürlich über diesen Bereich den Glocken auch besondere Macht zugeschrieben, dass diese Schallwellen in der Tat, in der Lage wären, Gewitter zu vertreiben.
00:07:33: Z.T.,
00:07:33: da war so auf vielen Glockendrauf nicht Vertreibergewitter und Zähme stürmen oder solche sonstige Dinge halt.
00:07:40: Also dieses magische, dieses apothropäische, wie man sagt also unheilabwährende Moment im Glockentrennen.
00:07:47: Das spielte insbesondere im Mittelalter eine ganz große Rolle, entweder weil es direkt darauf stand was die Glocke angeblich alles kann.
00:07:56: Oder weil man dann eben sie mit Namen versehen hat, denen man ebenfalls diese apothropäische Bedeutung zuordnete.
00:08:03: Zum Beispiel mit den vier Evangelisten – das war auch so eine Sache -, dass wenn also die vier Evangelistens draufstehen und damit sozusagen die Botschaft des neuen Testaments, dass dadurch dann auch die Altgewalt Gottes über die Naturkräfte herrschen könnten.
00:08:16: Aber nochmal ganz klar ist es nie!
00:08:19: Und die Reformation war es ja die es zum ersten Mal manchmal auf Blutten draufgeschrieben hat.
00:08:26: breche keine Blitze und ich vertreibe keine Türme, weil das dann als Aberglauben bewusst angesehen worden ist.
00:08:32: Und sozusagen diesen magischen Aspekt wieder wegnehmen wollte, obwohl auch die Reformation ja bekanntermaßen die Glocken nicht abgeschafft hat, sondern zum Beispiel des Gebetsleuten auf alle Fälle beibehalten hat, weil man das als durchaus etwas Sinnvolles gesehen
00:08:47: hat.
00:08:47: Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen.
00:08:48: Leuchten denn katholische Glockens anders als evangelische?
00:08:52: Also von der Technik her nicht.
00:08:54: Das ist das allergleiche.
00:08:56: Sie haben vielleicht früher noch zu anderen Zwecken geleutet, das mag sein wobei man ja sagen muss Glocken waren ja zumindest seit dem... seit dem Hochmittel halt eigentlich nicht mehr nur kirchliche Instrumente im Abendland, sondern eben auch weltliche Instumente.
00:09:13: Sie haben es gerade vorher selber gesagt.
00:09:14: So Beispiel die Wachtglock der Torglocke, die dann zum Schließen und Öffnen der Stadttore geleutet worden ist oder die Marktglockel, wenn da öffnet worden ist, oder die Ratsglockeln, wenn das Rad der Stadt zusammengerufen worden ist.
00:09:30: Es gab sogar in Würzburg z.B.
00:09:32: eine Weinglocke Das heißt, wie lange man abends Wein oder Bier ausschenken durfte.
00:09:39: Also das heißt es gab beides diesen geistlichen Bereich den Ursprünglichen wo er zu den Stundengebeten der Mönche ursprünglich geleutet worden ist und sich dann die Teile der Gebetszeiten der Achtgebetszeite sich auch im weltlichen Bereich durchgesetzt haben und andererseits halt eben diesen rein wäldlichen Aspekt wo beinahe immer nur mit einer Glocke geleutet worden ist.
00:10:03: Also das volle Geleut, muss man sagen war im Mittelalter eigentlich immer nur dann vorbehalten wenn eine hohe Person in die Stadt reingezogen ist.
00:10:11: Das sogenannte Schreck-Leuten.
00:10:13: Hier ist es dann also alle Glocken Leuten zusammen.
00:10:16: Das war dann kein harmones Ding mehr sondern da ging's um Lärm.
00:10:19: Da kommt der Erzbischof in die Stadte oder vielleicht sogar der König und besucht die mal nach so vielen Jahren oder vielleicht war er auch noch gar nicht da Und da musste halt alles was an Lärmmögliches aufgefahren werden um den zu empfehlen auch akustisch zu empfangen?
00:10:34: Vielleicht noch ein ganz kleiner Rückgriff zu den magischen Beimessungen.
00:10:42: Liegt es vielleicht auch daran, dass dem Handwerk der Glockengießer so ein bisschen was Geheimnis umwobenes anhaftet.
00:10:52: Ich meine es wurden auch sehr viel besungen von Dichtern, Schildersglocke und ist aber schon bei weit nicht das einzige Gedicht dass sich um die Glockengießerei dreht
00:11:04: Also dass da etwas Geheimnisvolles, sicherlich vor allem im Glockenguss drin stand.
00:11:09: Das ist unsweifelhaft.
00:11:11: auch diese Sache mit den Silberglöckchen das man da angeblich der Silbermünzenreihe geschmissen habe damit die dann silberig klingen.
00:11:18: also das ist technisch gesehen totaler Quatsch weil dann würden sie gar nicht mehr klingen.
00:11:22: vielleicht zinn ja aber sowas nicht.
00:11:26: Tatsache ist dass die Glockengießer in der Regel außer für ihre direkten Nachfolger keine leitschriftliche Dokumente hinterlassen haben.
00:11:35: Das heißt, das sollte ein Geheimnis bleiben wie jeder Glockengießer seine Glockengegossen hat.
00:11:41: und selbst heute ist es noch so dass die Glockengießer ungern Auskunft geben über ihre Rippengestaltung.
00:11:49: Das heisst also so wie sie diese Profilwandung machen weil Die Form der Profilwandung macht einerseits den Gesandten.
00:12:03: Ton aus oder Schlagton aus und aber auch die Innenharmonie, das heißt den gesamten Klang.
00:12:08: Die hängt von dieser Formgestaltung, dieser Glockenrippe dieses Profils ab und es war in der Tat im Geheimnis früher bei jeder Gieserreihe.
00:12:18: Die Meister haben das dann quasi an ihre Schüler weitergegeben?
00:12:23: Also da gab's solche Schnipsel dann, das hat man manchmal dort gewunden wo die das schon aufgezeichnet haben.
00:12:30: Aber das war halt eben Verbarth, es wurde in Buchdruck gegeben.
00:12:36: Es gibt von einem Herrn Sesselschreiber aus dem sechzehnten Jahrhundert so eine Beschreibung aber der war selber kein großer Glockengießer.
00:12:41: hat sie irgendwo hergehoben?
00:12:43: einiges ist richtig manches ist nicht ganz so richtig.
00:12:46: Das gilt als eines der frühesten Dokumente die dann wirklich sozusagen publiziert worden sind und wenn man so ungefähr ein bisschen Ahnung bekommen hat wie das so vor sich gehen könnte.
00:12:57: Dieser Beruf ist aber ein Beruf, der ich sage jetzt mal fast vom Aussterben bedroht ist.
00:13:04: Es werden ja nicht mehr viele Kirchen gebaut und viel zu reparieren gibt es wahrscheinlich auch nicht.
00:13:09: wie hat sich denn das entwickelt?
00:13:11: früher im Mittelalter als angesehener Handwerksmeister?
00:13:14: überall sind Glocken gebraucht worden.
00:13:17: heute braucht sie kaum mehr jemand.
00:13:19: also früh hatten die handwerks meister die eben Glockengekosten hatten in der Regel in der Tat Gute Anzehen in der Stadt.
00:13:28: Es gibt zum Beispiel in Heilbronn diese berühmte Gießerei Lachenmeier, da war der Glockengießer dann auch Ratsherr, war sogar zweimal Bürgermeister sein so und dann später auch und so ist es teilweise auch von anderen Städten überliefert.
00:13:45: das heißt die gehörten eigentlich zur High Society der Stadt weil sie halt eben auch wenn sie lange genug lebten um gute Glocken gegossen haben Verhältnismäßig wohlhabend, vielleicht sogar reich wird.
00:14:00: kann man sagen seit dem fünften Jahrhundert noch hinzu die Büchsen-Gießerei, was dann für viele noch viel wichtiger war als Kanonen.
00:14:09: und Glocken bestehen ja beide aus Bronze.
00:14:11: Zwar in unterschiedlicher Legierungen.
00:14:13: also bei der Glocke ist das Kupfer etwas weniger als bei den Kanonenrohren da dafür ist es Sinnetwas mehr.
00:14:20: aber trotzdem man kann die beiden mir austauschen.
00:14:22: schwerer zu Flugscharen, Flugscharn zu Schwertern steht auch schon mit der Bibel drin und deswegen waren die Kanonengießer meistens beides Oder Glockengießer ebenfalls nicht, also Glockengießer und Kanongießer auch.
00:14:35: Und in Kriegszeiten brauchte man sie dann ebenfalls zum Beispiel noch in der Barockzeit.
00:14:39: Das kann man auf das was Sie sagen.
00:14:42: Das hat eigentlich bis ins neunzehnte Jahrhundert so dann angedauert.
00:14:47: Dann nach dem Ersten und vor allem den Zweiten Weltkrieg war da nochmal eine ganz große Blüte für die Glockengeisereien Aus genau dem Grund, den sie vorhin erwähnt hatten.
00:14:56: Dass wirklich Zehntausende von Glocken vernichtet worden sind in beiden Weltkriegen und dann der Ersatz geschaffen werden musste.
00:15:04: Und das ist natürlich jetzt in der Tat ein riesengroßes Problem.
00:15:07: Es sind in den vergangenen Jahrzehnten die allermeisten Glockengießereien eingegangen und eigentlich können nur noch diejenigen über Leben, die auch technisch gesehen auf einem modernen Stand sind.
00:15:20: Heute werden beispielsweise relativ viel Carlyo-Klubben gegossen also das heißt für Klubbenspiele welche Zwecke oder sowas Kirchenklubben ab und zu.
00:15:28: es wird man auch heute ab und zumal noch eine Klocke dass die kaputt geht also zu ersetzen sind.
00:15:36: das gibt's auch noch aber natürlich sind es nur noch ganz geringe Zahlen.
00:15:42: Sehr, sehr viele Glocken und jetzt kommen wir auf den regionalen oder lokalen Aspekt hängen in der Herrenberger Kirche.
00:15:52: Dort die Beherberg im Dachgestül des Deutschen Glockemuseums.
00:16:00: Was ist das Besondere an diesem Museum?
00:16:03: Sind da viele Glocke?
00:16:04: Ist es das Einzige?
00:16:10: Das deutsche Glockenmuseum gibt es auch, das ist aber ein Verein.
00:16:13: In Gescher sitzt er heute im nördlichen Nordrhein-Westfalen.
00:16:17: Hier handelt sich's um das Glockemuseum Stiftskirche Herrenberg und das hat in der Tat eine Besonderheit.
00:16:25: Wie alle Glockenmuseum werden dort natürlich auch Glockengesammelt.
00:16:29: Sie werden konserviert, sie werden wissenschaftlich beschrieben und sie werden der Öffentlichkeit zugängig gemacht.
00:16:34: aber das Besondere ist dass diese ausgedienten Gegenstädte der Vergangenheit sich jetzt wieder an einem Ort befinden für den sie ursprünglich auch gegossen worden sind nämlich in dem Kirchturm.
00:16:46: Und deswegen, weil sie eben in dem Kirchturm drin sind werden Sie auch wieder wie in früheren Zeiten mit liturgischen Funktionen in der Regel versehen.
00:16:55: Das heißt die Leuten zu bestimmten Zeiten des Tages zusammen mit anderen und haben bestimmte Botschafts... Botschaften in sich, wenn sie leuten.
00:17:06: Also die Kreuzglocke läutet beispielsweise zur Todestunde Christi um fünfzehn Uhr Die Mittagsglockel oder Friedensglockelläute natürlich um zwölf Uhr zu bieten um den inneren äußeren Frieden die Abendglockeln dann logischerweise zum Atengebet und so weiter.
00:17:22: also das ganz besondere ist dass diese Glocken eben nicht außer Funktion dort geraten sind sondern wieder wie in früheren Zeiten in Funktionen drinstecken.
00:17:31: Und für Besucher außergewöhnlicher ist, dass man die Glocke nicht nur anschauen kann sondern man erlebt sie.
00:17:40: zu gewissen Zeiten, auch in voller schwingender Funktion.
00:17:43: Dass man sie nicht nur hören kann wenn man sie mal so anschlägt sondern in volle Klangentfaltung erlebt.
00:17:50: Richtig das wollte ich gerade noch zum Schluss sagen dass man es ja auch nicht nur anfassen kann Sondern dass man ihre Schallwellen beim Leutenregelrecht im Körper spürt.
00:17:57: und das ist also dieses ganzheitliche Erlebnis.
00:17:59: Das gibt es sonst eigentlich nirgends abgesehen davon dass mit fünfund achtzig klingen den Glocken fünf von dreißig leutbare und Fünfzig Carlio Glocke auch dort das größte Klockenossort überhaupt.
00:18:11: Zumindest mal in Mitteleuropa vorhanden ist wahrscheinlich aber nicht los in Mitteleeuropaa.
00:18:16: Vielleicht können Sie uns im Röhren noch erklären, was ein Kalio-Jungen ist?
00:18:21: Ein Kalio ist sowas ähnlich wie ein Glockenspiel.
00:18:24: Aber Glockenzspiel heißt halt eben das sind wenige Glocken die aufeinander gut abgestimmt sind und die angeschlagen werden.
00:18:31: Zum Kalior gehören mindestens drei und zwanzig Glocken.
00:18:35: Und die müssen in einer grammatischen Tonleiter, wie also auf dem Klavier weiße und schwarze Tasten nacheinander eingestimmt sein und mindestens über zwei Oktafen reichen.
00:18:45: Das ist also sozusagen die Mindestanforderung eines Karallions.
00:18:49: Und vielleicht noch etwas, Karallion sollten auch noch viel, viel genauer und besser gestimmt sein als es bei Kirchenkluggen notwendig ist.
00:18:56: Denn bei Kirchengluggen wenn die Leuten nicht ganz so wichtig sind ob jetzt der Ton ganz genau stimmt weil durch das Läuten, durch den Schwingen wird der Ton ja sowieso laufend leicht verändert durch die Schwingungen beim Karallionen.
00:19:10: Da müssen dann halt eben die Töne ganz genau schwebungsrein aufeinander abgestimmt sein.
00:19:15: Sind das jetzt in Ihrem Glockenmuseum alles Glockens aus der Stiftskirche?
00:19:19: Oder haben Sie auch welche aus der Umgebung oder aus ganz anderen Regionen dazugenommen.
00:19:25: Also, in der Stiftskirche selber gab es ursprünglich als das Glockenn Museum neunzig gegründet worden ist fünf Glocke.
00:19:32: Die ist schon von all das her so gewesen.
00:19:35: zwei waren immer in den Weltkriegen dann weg und wurden wieder neu gegessen.
00:19:39: Alles andere ist dann entweder neu hinzugekommen, entweder weil es für dieses Museum gegossen worden ist.
00:19:46: Z.B.,
00:19:47: das Kalian wurde im Jahr zwölf und zwölfe gegossen – diese fünfzig Glocken.
00:19:52: Es wurden auch ein paar Glocke neu gegossen einfach um das Geläude zu erweitern oder weil zum Beispiel die gulden Glocche, die früher größte Glocque in Herrenberg gesprungen sind.
00:20:03: Die waren im Zweiten Weltkrieg einfach dann beschädigt worden.
00:20:06: Die wurde dann also ersetzt durch eine neue Und wir haben eben auch aus wirklich nahezu allen Teilen des deutschsprachigen Raumes Erworben, die heute im Glockenmuseum drinhängen.
00:20:20: Also das sind dann zum Beispiel aus der Schweiz ein paar dann aus Pummern und aus Schlesien aus dem Elsass und natürlich auch bei allen Teilen Deutschlands.
00:20:30: Das hing damit zusammen, dass im Zweiten Weltkrieg sehr viele Glocken abgenommen worden sind – auch historische Glocke.
00:20:39: Und diejenigen, die nach Ostdeutschland wieder gebracht werden sollen nach den Kriegen, wenn sie überlebt haben, sind nicht mehr zurückgebracht worden.
00:20:46: warum?
00:20:47: weil die dort in Gemeinden nicht mehr existierten und das mittlerweile polnisch oder im nördlichen Ostpreußen osisch war.
00:20:53: Dadurch sind diese Glocken die dann in Hamburg vor allem auf dem dortigen Glockenfriedhof noch standen.
00:20:59: In Lühnen, in Westfalen gab es auch so einen Glockenfriedhof.
00:21:03: Die sind an Padengemeinden in Westdeutschland ausgeliehen worden und nachdem viele dieser Padengemeinden wieder ihre eigenen Glocke gegossen haben waren die sozusagen überflüssig und einige von denen sind bei uns.
00:21:19: Ein Beispiel in Württemberg, der Wörterländerskirche hat dreiundsechzig Patenglocken erhalten und neun Stück also ein Siebtel davon ist es bei uns im Glockenmuseum.
00:21:30: Ja Doktor Hammer!
00:21:31: Es gibt ja viele viele Glocke in der Kirche.
00:21:36: Im Glockenturm aber auch eine hängt draußen.
00:21:40: was ist das für eine?
00:21:43: Diejenige, die draußen hängt ist eine Vorschlag-Locke.
00:21:51: Die erklinkt bei uns an der halben Minute vor... dem eigentlichen Hauptschlag zu jeder Stunde.
00:22:00: Früher war das die älteste Glocke, die es in Württemberg gab – die Armsynder-Glocke.
00:22:05: Die wurde dann aber hereingeholt und läutet jetzt immer jeden Freitag und jeden Samstagabend sozusagen zur Eröffnung und zum Ende des Sabbats in Erinnerung an die ehemaligen Judengemeinden, die ja dann bekanntermaßen vernichtet worden sind.
00:22:18: Und dann haben wir heute eine Glocche aus Stettin, oder aus dem Stettiner Raum muss man sagen.
00:22:27: Aus dem Jahr glaube ich, die heute den Uhrenvorschlag übernimmt.
00:22:31: Sie haben jetzt vorher auch gesagt, man kann als Besucher das miterleben wenn geleutet wird.
00:22:37: Gibt es da bestimmte Zeiten?
00:22:38: Gibt's Führungen?
00:22:41: Ist das immer offen?
00:22:43: Wie ist das, wenn ich sage ja, ich würde sehr einfach gerne mal sehen und miterlegen?
00:22:50: Das ist momentan das riesengroße Problem.
00:22:53: Ich muss gewinnt die Situation darstellen, wie sie bis Ende zweiundzwanzig war.
00:22:57: Wobei es da auch schon mal eine Einschränkung zur Corona-Zeit gab.
00:23:01: Es gibt eigentlich drei Öffnungszeiten Mitwuchs Samstag und Sonntag.
00:23:05: Das kann man dann auf der Homepage nachlesen wenn das da ist oder was.
00:23:10: Und dann...das ist eigentlich immer das Highlight.
00:23:13: Jeden ersten Samstag im Monat Gibt es von siebzehn bis achtzehn Uhr Einglockenkonzert.
00:23:19: Das ist schon seit den neunzigern Jahren so.
00:23:22: Das führen wir auch jetzt noch durch.
00:23:25: Also, obwohl – und es kommt das Zweite – seit im Jahr- und Jahrzehnte des Glockenmuseums offiziell geschlossen worden ist, warum?
00:23:34: die Betriebsgenehmigung nicht mehr verlängert worden ist aus Brandschutzgründen.
00:23:41: Also da, wie in vielen anderen Bereichen halt eben auch der Brandschütz dann gesagt das geht so nicht mehr.
00:23:47: Da muss ein Brandschutzraum rein und die Elektronik muss irgendwie anders verkabelt werden.
00:23:52: und soweit und sofort.
00:23:53: Und solange dass nichts der Fall ist wird dieses Glockenmuseum geschlossen.
00:24:04: ganz kleine Gruppen zu speziellen Führungen, die vorher angemeldet sein muss und wo die Leute auch noch eine Enthaftungserklärung unterschreiben müssen, dass sie auf eigene Gefahr dort hochgehen.
00:24:19: Da sind dann also noch kleine Führung ab und zu möglich aber eben nicht mehr irgendwie zu bestimmten Zeiten und ohne Voranmeldung geht.
00:24:27: Kann man
00:24:27: diesen Problem irgendwie Abhilfe schaffen?
00:24:31: Ja, wenn man genügend Geld hat.
00:24:35: Der Brandschutzraum wird allein auf etwa so hunderttausend Euro geschätzt und was aber noch viel teurer ist die ganze neue Verkabelung, die dann auch irgendwie gefordert wird damit man wieder mit der alten Zahl nämlich mit etwa siebzig Leuten hochgehen kann.
00:24:52: und da rechnet man mit ungefähr dreihundert tausend das heißt insgesamt mit vierhundert Tausend.
00:24:56: Das hat der Trägerverein, der das Glockenmuseum eben trägt nicht.
00:25:02: Er macht jetzt seit mehreren Jahren Spendenaufrufe und man muss auch sagen, ja wohl es ist auch gut angekommen bei der örtlichen Bevölkerung.
00:25:13: Seltsam ist allerdings Folgendes, das muss man leider auch sagen.
00:25:15: Bei allen aber wirklich allen staatlichen Behörden, wenn ich jetzt mal die Stadt Herrenberg herausnehme also beim Regierungspräsidium bei der Landesregierung, beim Kultursminister in Berlin, also dem Herrn Weimar und überall nur eines Absagen Beim Brandschutz ebenfalls.
00:25:34: Also wir geben Geld ab und zu für irgendwelche Objekte oder sowas oder Restaurierungen Aber nicht für den Brandschuss.
00:25:42: Das ist der wesentliche Punkt.
00:25:43: D.h.,
00:25:44: die Idee, dass durch diese ganz vielen wertvollen Gegenstände eigentlich gar nicht mehr zugänglich sind was ja viel hochwertiger ist als wenn irgendeine Glocke kaputt geht.
00:25:53: und jetzt bieten wir dumm eine neue Kiesen zu dürfen oder vielleicht die zu reparieren?
00:26:00: Nein das spielt aber keine Rolle!
00:26:01: Das ist Brandschutz da geben wir nix.
00:26:03: Und genau das gleiche haben wir erfahren bei den großen Stiftungen im Land Egal ob das jetzt... Leibinger, Wirtstiftung, Schwarzstiftungen oder sonst was ist.
00:26:14: Also das, was wir jetzt eingenommen haben, ist allein durch Spenden vor allem von Privatpersonen und von ein paar wenigen örtlichen Stiftungen zusammengegeben.
00:26:32: Aber
00:26:32: es reicht noch nicht.
00:26:34: Es für den Brandschutzraum reicht's.
00:26:36: da ist jetzt eher das riesengroße Problem wie schon Früher auch schon mal war, wir machen seit den ganzen Jahren im zwölften Jahr.
00:26:48: Das gewisse Behörden, insbesondere die Briefstaatik endlos lange braucht und dann aber auch wenn das dann einmal endlich durch ist, dann gibt es wieder einen neuen Kreisbrandschutzmeister der dann wieder neue Anforderungen stellt und die örtliche Feuerwehr will dann auch nochmal irgendwie andere Sachen.
00:27:08: also Wir haben das schon alles einmal durchgemacht und sind jetzt in einem Bauänderungsantrag mit Unterstützung der Stadt Herrenberg.
00:27:20: Und das ganze Theater, was wir die vergangenen Jahre hatte beginnt jetzt quasi scheint es von vorne.
00:27:26: Das heißt man muss sich jetzt tatsächlich in den nächsten mutmaßlich Jahren damit begnügen, entweder in einer ganz kleinen Gruppe zu kommen oder man muss halt wissen wann geläutet wird und dann steht man eben in der Nähe der Kirche.
00:27:39: Also bei den Glockenkonzerten um dann nochmal zurückzukommen ist es in der Tat so die Leute sind vor der Kirchel Es wird dort die ganze Sache erklärt Und dann kann man's von unten schalten Oder jemand ist oben im Turm und schaltet an die Glocke So wie das unten dargestellt wird.
00:27:54: da gibt´s eine Sprechverbindung zwischen beiden Aber man kann eben nur noch aus der Ferne erleben und nicht mehr vor Ort.
00:28:02: Die Taline stehen auf ihrer Internetseite?
00:28:04: Ja, das ist richtig!
00:28:06: Also immer am ersten Samstag im Monat.
00:28:10: es ist nur dann mal anders wenn dieser Samstag auf den Kar-Samstag fällt so wie das zum Beispiel im Jahr zweitausend.
00:28:19: Wenn der Fall ist, dann wird's weil im Kar Samstag alle Kloppen schweigen um einen Samstag verstorben, also auf den zweiten.
00:28:27: Aber sonst muss man sagen ist es immer der erste Samstag im Monat von siebzehn bis achtzehn Uhr.
00:28:33: vielleicht noch eine Hoffnung.
00:28:36: Es gibt jetzt in Herrenberg einen neuen Oberbürgermeister seit etwa zwei Jahren, der ist ganz stark daran interessiert dass das Museum wirklich wieder eröffnet wird.
00:28:47: Er weiß natürlich um die Bedeutung des Museums war es auch schon da hat sich alles zeigen lassen und möchte insbesondere für den Achthundertjahrfeier der Stand Herrenberg in zwei Jahren das Museum als ein Highlight eröffnete.
00:29:01: Das gibt uns etwas Hoffnung, aber obwohl wir jetzt schon bei ihm drei Sitzungen auch hatten unter seinem Vorsitz, gibt es immer wieder neue Hinderunggründe die einem das Leben furchtbar schwer machen.
00:29:15: Aber man kann noch spenden?
00:29:16: Man kann noch spenten und es ist auch ganz wichtig folgendes wenn es wirklich nicht zu diesem Ausbau kommen sollte und die Eröffnung des Museums wirklich nicht mehr geschehen sollte dürfen die Spender versichert sein, dass ihr Geld wieder zurückfließt.
00:29:35: Also das ist Zweck gebunden und es geht nicht an den Verein oder sonst was.
00:29:39: Da müssten dann die Leute höchstens sagen okay dann nehmts für etwas anderes.
00:29:43: aber das was da reingekommen ist, das ist also verpflichtend und jetzt wird auch alles registriert wer wann war's gespendet hat.
00:29:51: und für diesen schlimmsten aller Fälle ist das Geld nicht verloren sondern die Leute würden dann ihr Geld und auch die Vereine Stiftungen ihr Geld wieder zurückbekommen, das ist gelehrleistet.
00:30:03: Dann läuten wir doch eher mal die Hoffnungsklocke?
00:30:06: Ja also man soll die hoffen ja nie aufgeben und ich habe sie auch noch nicht aufgegeben.
00:30:09: aber als einer derjenigen der das Ganze dann sozusagen mit durchbaden muss muss man schon sagen ist die Frustrationsschwelle sehr hoch.
00:30:22: Dann sagen noch vielen, vielen Dank, dass Sie da waren.
00:30:25: Es war ein unglaublich spannendes Gespräch.
00:30:27: Hat mir sehr großen Spaß gemacht.
00:30:30: Ich bedanke mich gerne bei Ihnen, dass ich die Möglichkeit hatte darüber etwas zu sagen.
00:30:34: Ganz herzlichen Dank und hoffentlich bis bald dann
00:30:37: im Glockenmuseum!
00:30:38: Das wird toll.
00:30:39: Danke
00:30:44: schön.